Heute kursiert in Deutschland vor allem ein Blogbeitrag. Martin Oetting hat drüben bei Carta einen langen und ausführlichen Beitrag über den Medienwandel geschrieben. Er trägt den oppulenten Titel: Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats.

Martin, I love you dearly, aber entweder dein Beitrag ist nicht für mich gedacht gewesen oder es steht nichts neues für mich drin. Umso mehr wundert es mich, dass soviele Menschen diesen heute immer wieder weitergegeben haben. Von so ziemlich allen hätte ich erwartet, dass auch ihnen der Inhalt des Beitrags nicht neue sein dürfte.

Doch ich würde sogar weiter gehen und anmerken, dass wir solche Beiträge zu genüge haben. Es wird seid Jahren über den Medienwandel geschrieben und es wird seit Jahren gesagt, dass wir in einer Umbruchzeit stecken und vor allem, dass keiner wirklich weiss was nun Sache ist. Weder die Alten, noch die Neuen. Es ist viel kaputt gegangen aber sehr viel Funktionierendes haben wir bisher nicht gesehen. Das ist auch der Grund warum wir uns an diesen wenigen Erfolge so klammern und sie glorifizieren. Ob es nun Unternehmen, Institutionen oder Personen sind.

Ist es nicht ein wenig langweilig geworden über die Medien zu sprechen? Wir wissen doch alle: die alten Leute werden aussterben. Das ist Fakt, es geht kein Weg daran vorbei. Ungeduld bringt da auch niemanden etwas, Systeme die soviele Jahrzente existiert haben verschwinden nicht von einer Minute zur anderen und es braucht mehr als 18 Jahre Internet um sie zu ersetzen.

Wir investieren auch zuviel Zeit auf den Medienwandel und betrachten zu wenig die restlichen Veränderung die durch den allgemeinen technologischen Wandel eingeleitet worden sind. Sicher, die Tatsache, dass Menschen bloggen, twittern, facebooken und youtuben ist einschneidend, massiv und disruptiv aber haben wir nicht langsam oft genug darüber gesprochen was das für Zeitungen und TV-Sender zu bedeuten hat? Warum reden wir nicht darüber, wie RFID und Sensorik unser Leben verändern wird, wie erfinderische Menschen mit simpler Technologie die Interaktion mit Informationen verändern, warum disruptive Technologie für Städte und ihre Bewohner sehr viele Vorteile haben wird und warum wir einige dieser Veränderungen sehr ängstlich betrachten werden, weil wir Privatsphäre neu definieren müssen. Was kann Technologie heute schon alles, wenn laut Tim O’Reilly die Google Goggles App im Testlabor anscheinend schon Face Recognition kann und welche Implikationen dies für uns haben wird? Die Liste der Fragestellungen lässt sich beliebig weiterführen und das ist wohl auch der ausschlaggebende Punkt: warum verbringen wir soviel Zeit mit dem Thema Medienwandel, wenn wir soviele andere Themen haben über die nicht weniger wichtig sind.

Die Schirrmachers dieser Welt werden immer wieder Bücher veröffentlichen, die ich immer wieder nicht lesen werde. Sie nutzen ihre Erfahrung mit dem System um profitabel und laut über ein Thema zu sprechen, welches auch ohne ihre Bücher den gleichen Verlauf nehmen würde.

Veränderung lässt sich nicht aufhalten. Aber sie lässt sich von uns mitgestalten. Wir müssen nur wollen.