Social Media. Web 2.0. Dingensbumbens.

Was diskutieren wir in Deutschland nicht viel über alle diese Themen. So maches mal kommt es einem schon vor, als ob mehr diskutiert als eigentlich gemacht wird. Und wenn etwas gemacht wird, ist Originalität nicht unbedingt ein Markenzeichen – von deutscher Handwerkskunst sind wir Online jedenfalls noch sehr weit entfernt und die selbst erklärten Twitter-Consultants helfen der Sache natürlich auch nicht unbedingt.

Heute Morgen haben wir in der Agentur eine Präsentation über Social Media gemacht. Mal wieder, ja. Und das ist auch gut so, weil Veränderung schwer und langsam ist. Doch “Change” ist nicht nur Obama vorbehalten, das kann ich – ohne Kundennamen nennen zu können – an dieser Stelle einfach mal feststellen. Viele Unternehmen verändern sich, werden neugierig und probieren aus.

Kritik gibt es natürlich trotzdem sehr viel. Es würde nicht schnell genug gehen und wenn Unternehmen etwas machen, dann ist es vielen irgendwie dennoch nicht so richtig recht. Jako und Jack Wolfskin werden als Synonym für die gesamte Wirtschaft benutzt – alle – Unternehmen, Agenturen, Politiker, … – hätten es einfach noch nicht kappiert. Alle sind irgendwie zu doof.

Nun will ich auch mal so salop vor mich hin sprechen und sagen: die meisten haben sich vermutlich bisher noch nie wirklich mit der Anwendung auseinander gesetzt. Die neu gewonnen uneingeschränkte Meinungsfreiheit ist ein grandioser Erfolg. Dieser resultiert aber auch daran, dass die sehr viele Neinsager einfach ein wenig zuviel Stimmgewichtung bekommen.

Ich weiss nicht genau woher es kommt aber das ist definitiv das Deutsche-Problem. Vielleicht verstehe ich das als Nicht-Deutscher nicht so gut, vielleicht sind aber auch meine Werte einfach andere. Vielleicht bin ich aber auch mit der Prämisse aufgewachsen, dass ein konstruktiver Beitrag besser als ein destruktiver Beitrag ist. Und nein, d.h. nicht, dass nicht mehr kritisiert werden kann. Es heisst nur, dass gezielt kritisiert werden sollte.

Das ist ein Thema welches mich schon seit Jahren beschäftigt. Anstoss von diesem Beitrag ist jedoch dieser Artikel bei Basic Thinking. Der ist insofern so provokant für mich gewesen, als das ich MySkyStatus von der Lufthansa noch heute in der Präsentation als ein positives Beispiel gezeigt habe. Warum? Weil die Lufthansa primär damit zeigt, dass sie die Dynamik der sozialen Netzwerke verstanden hat. Sie hat ein Dienst für eine eingeschränkte Zielgruppe gebaut, ja. Diese eingeschränkte Gruppe wird allerdings von einer ganzen Reihe von diversen Statups schon bedient. Unter anderem Dopplr, für welches Nokia bereit war 12.5 Mio zu bezahlen. Warum? Weil Nische das neue Mainstream ist. So. Und weil die Lufthansa ein so schlaues Tool hat, wird diese Nische gerne darauf zurück greifen auch wenn sie mit Delta fliegt. Darüber hinaus werden sie auch mit Sicherheit sehr viel über das Nutzungsverhalten von sozialen Netzwerken bei einer Kundenschicht lernen, die zu den wichtigsten einer Airline gehören: die Vielflieger.

Dass die Umsetzung von MySkyStatus kritisiert wird, damit habe ich kein Problem. Bugs in der Software sind aber eben nur das: Bugs die behoben werden. Das das Tool als solches von manchen (vielen?) als unnütz und sinnlos bezeichnet wurde, das sich die Lufthansa dafür rechtfertigen muss ist dagegen fast schon unglaublich. Ja, was wollt ihr den eigentlich das genau passiert? Was sollte die Lufthansa statt dessen tun? Vielleicht allen Bloggern einen Flug schenken?

Und weil ich auch nicht nur andere kritisieren will, würde ich gerne eine Bitte an die Profi-Kritiker haben: Wie wärs, wenn mit der Kritik auch immer ein Gegenvorschlag kommt. Ich weiss, dass wird vielen nicht einfach fallen. Diejenigen unter euch, die aber nur kritisieren und keine Gegenvorschläge bringen kann ich nur sagen: vielleicht solltet ihr euren Ansatz ein wenig überdenken. Das ist nicht böse gemeint, ich will nur eins klar machen: die Negativität ist das was Deutschland zurück hält. Das ist der Grund, warum hier neue Ideen schwerer Fuss fassen, warum wir Jahre hinter den Entwicklungen in anderen Ländern stecken. Für mich, als Bürger dieses Landes, der mit diesem Socialdings heute sein Geld verdient und versucht Neues zu entwickeln ist es unheimlich frustrierend. Warum? Weil das Internet keine Grenzen hat, die nationalen Gegebenheiten aber die Realität in Deutschland sehr viel schlechter darstehen lassen als es eigentlich sein muss.

(Disclaimer: Ich war früher Mitarbeiter der Lufthansa Systems AG, habe aber derzeit keinerlei professionelle Beziehungen zu dem Unternehmen, noch war ich an der Entwicklung von MySkyStatus beteiligt.)